Prüfung und ggf. Beauftragung eines kontinuierlichen Monitorings der Passauer Hängebrücke in Kooperation mit Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und der Universität Passau
Die Passauer Hängebrücke (Luitpoldbrücke) ist ein über 110 Jahre altes, für die Stadt Passau infrastruktu-rell zentrales Bauwerk. Sie verbindet Altstadt und Anger und ist funktionaler Bestandteil des städtischen Verkehrsnetzes, insbesondere des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), des Berufs- und Schul-verkehrs sowie von Rettungs- und Lieferverkehren. Durch bestehende Gewichtsbeschränkungen ist der Linienverkehr aus der Altstadt faktisch verdrängt, was Mobilität, Erreichbarkeit und Stadtstruktur spür-bar beeinträchtigt.
Die bisherige Zustandsbewertung der Hängebrücke erfolgt im Wesentlichen über periodische Prüfungen, statische Nachrechnungen und Einzelgutachten. Diese liefern Momentaufnahmen, ermöglichen aber keine kontinuierliche Beobachtung der tatsächlichen Beanspruchung im laufenden Betrieb oder eine belastbare Prognose der Restlebensdauer. Vor der anstehenden Entscheidung zwischen Seiltausch und Neubau besteht daher ein erhebliches Informationsdefizit.
II. Innovative Monitoring-Technologie als Chance
Aktuelle technische Entwicklungen zeigen, dass kontinuierliche, sensorbasierte Überwachungssysteme – sogenanntes Structural Health Monitoring – den Zustand von Brücken in Echtzeit erfassen und frühzeitig auf kritische Veränderungen hinweisen können. Klassische Prüfverfahren sehen zwar regelmäßige Inspektionen vor, aber kein durchgehendes Monitoring mit belastbaren Daten zur Entwicklung von Schäden und zur Restlebensdauer. Ein solches Monitoring kann daher die Grundlage für verlässlichere, datenbasierte Entscheidungen sein, als sie mit periodischen Einzelprüfungen möglich sind.
Das Fraunhofer IIS entwickelt einen innovativen Ansatz zur Überwachung von Ingenieurbauwerken, der kostengünstige, robuste Sensorik aus dem Automobilbereich nutzt – ursprünglich konzipiert für autonomes Fahren und Assistenzsysteme. Diese Radarsensoren und MEMS-Komponenten sind in Großserie verfügbar und liegen hinsichtlich Stückkosten deutlich unter klassischen Spezial-Messsystemen für Brücken-Monitoring. Durch technologische Anpassungen ermöglichen sie die Erfassung kleinster Schwingungen, Verformungen und Zustandsänderungen im Millimeter- und Submillimeterbereich, die für eine frühzeitige Schadensdetektion entscheidend sind.
Solche Systeme könnten nicht nur kritische Zustände erkennen, sondern über die Datenauswertung auch helfen, Sanierungsbedarf, Restlebensdauer und sicherheitsrelevante Entwicklungen zeitnaher und präziser zu beurteilen.
III. Lokale Chancen durch regionale Kooperation
Für die Stadt Passau ergibt sich hierbei eine besondere Ausgangslage: Das Fraunhofer IIS unterhält einen Standort an der Universität Passau, wodurch eine räumlich nahe und institutionell verankerte Zusammenarbeit möglich ist. Ergänzend bietet sich eine Kooperation mit der Universität Passau an – ins-besondere in den Bereichen Datenanalyse, Modellierung, Digitalisierung und wissenschaftliche Begleitung. Dadurch könnte Passau nicht nur kurzfristig eine bessere Entscheidungsgrundlage für die Hängebrücke gewinnen, sondern mittelfristig eine Kompetenzachse im Bereich digitale Infrastrukturüberwachung etablieren.
IV. Erwarteter Nutzen eines kontinuierlichen Monitorings
Ein kontinuierliches Monitoring der Hängebrücke bietet insbesondere folgende Vorteile:
frühzeitige Erkennung kritischer Zustandsänderungen,
verbesserte Entscheidungsgrundlagen für Sanierung oder Neubau,
potenzielle Reduzierung langfristiger Gutachter- und Folgekosten,
höhere Planungssicherheit für Politik und Verwaltung,
Modellcharakter für weitere kommunale Brückenbauwerke.
V. Ziel des Antrags
Ziel dieses Antrags ist es, eine sachlich fundierte Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat zu schaffen, ob und in welchem Umfang ein innovatives, kontinuierliches Brückenmonitoring für die Passauer Hängebrücke beauftragt werden soll.
Dabei sind insbesondere folgende Fragen zu klären:
- Ist das vom Fraunhofer IIS entwickelte Monitoring technisch und fachlich für die Hängebrücke geeignet?
- Welchen konkreten Mehrwert bietet es gegenüber bisherigen Prüf- und Gutachterverfahren?
- Inwieweit können die gewonnenen Daten für die Entscheidung Seiltausch versus Neubau genutzt werden?
- Welche Sensorik und Messgrößen wären konkret vorgesehen?
- Welche einmaligen und laufenden Kosten entstehen realistisch?
- Welche Fördermöglichkeiten bestehen (Bund/Land/Forschung)?
- Wie schnell wäre das System einsatzbereit und lieferfähig?
- Wer ist für Betrieb, Datenhoheit und Auswertung verantwortlich?
- Gibt es rechtliche oder vergaberechtliche Hürden?
VI. Antrag
Der Stadtrat der Stadt Passau möge beschließen:
- Die Stadtverwaltung wird beauftragt, zu prüfen, ob für die Passauer Hängebrücke ein kontinuierliches, sensorbasiertes Brückenmonitoring nach dem vom Fraunhofer IIS entwickelten Ansatz sinnvoll, technisch geeignet und wirtschaftlich vertretbar ist.
- Dabei ist insbesondere zu prüfen,
a) ob eine Beauftragung des Fraunhofer IIS – ggf. als Pilotprojekt – erfolgen kann,
b) ob und in welcher Form eine Kooperation mit der Universität Passau fachlich und organisatorisch sinnvoll eingebunden werden kann,
c) welche Kosten, Fördermöglichkeiten, Zeitpläne und organisatorischen Voraussetzungen hier-für bestehen.